Phase 8 – die etwas andere Seite Südafrikas

Viele positive Eindrücke begleiten uns in all den Wochen, und doch ändern sich plötzlich

die Bilder und Situationen, was manchmal gar nicht so begeisternd ist.

Der Blick ist wunderschön, die Umstände sind hervorragend, das Wetter kann nicht besser sein, warum sollten wir weiterfahren? Mit diesen Überlegungen packen wir ganz langsam das Auto und ziehen weiter. Weil’s halt sein muss. Die Drakensberge locken uns, und wir gehen davon aus, dass der Nationalpark noch mehr schöne Stellen zu bieten hat. Belohnt werden wir mit dichter werdenden Wolken und keinem vergleichbaren Ort. 38271cff-4c3c-4c8d-9156-017c487a3eabHaste jetzt davon! Nach kilometerlanger Schotter- und Felspistentour und mehreren Camps, die wir anschauen, finden wir ein nettes Plätzchen bei Backpackers. Das allabendliche Procedere soll durch das Feuer beendet werden, es entfacht zwar, wird aber schnell durch Regen gelöscht.

Im Regen stehen wir auch auf und hoffen auf Besserung. Wir wünschen uns für die letzte Zeit ein bisschen mehr Meer, so soll das Ziel Port St. John’s sein, ein laut Reisebuch gemütliches altes Fischerörtchen, klingt nach nem konkreten Hinweis. Wir mäandern quer durch die Landschaft und halten in Mthatha an, um einzukaufen und Geld zu ziehen. Hitten bleibt im Auto, und ich flitze zu einem der 3 ATMs, die wir vorher ausgemacht hatten. Beim ersten gibt’s zwar ne längere Schlange, allerdings heute kein Geld, sodass ich auf die andere Straßenseite zu einer anderen Bank wechsle. Da funktioniert alles und ich flitze zum Auto zurück. Entgegen kommt mir ein beunruhigter und etwas hektischer Hitten, der zwischenzeitlich wenig nette Begegnungen hatte. Erst versucht son Vogel die Beifahrertüre zu öffnen, obwohl ein Germane im Auto sitzt, die ist aber abgesperrt, dann versucht ein anderer den Mann aus dem Auto zu locken – der Grund liegt auf der Hand. Den kann er wohl vertreiben, doch komme ich ja wegen des Bankwechsels nicht schnell genug zurück, so dass Hitten doch das Auto verlässt, um mich zu erspähen, immer auch die Karre im Blick und die schrägen Vögel und das Umfeld und die Karre und … Unversehrt wiedergetroffen versuchen mich noch zwei am Einsteigen zu hindern, egal, Maschine anwerfen, fahren, Türe schließt von selbst. Wir sind uns sicher, dass wir wieder eimal Glück hatten, solche Situationen kann man nicht vorhersehen – oder vielleicht doch? Nächstes Mal versuchen wir es an einem weniger unangenehmen Ort! Ingesamt fühlen wir uns heute nicht wohl, was an den sehr anderenimg_3147 Menschen und deren Lebensumständen liegt. Hier ist man offenbar extrem arm, was sich in den ausgesprochen ärmlichen Behausungen, dem fordernden Betteln, der lumpigen Kleidung, den Diebstahlversuchen und den ernsten und oft entmutigten img_3144Mienen der Leute widerspiegelt. In all den Wochen hatten wir nie das Gefühl von Unwohlsein oder Mitleid, im Moment fühlen wir uns als Voyeure, wir die Reichen, da dieimg_3158 Armen. Passend zu der Situation stockt plötzlich der Verkehr, große Steine liegen auf der Straße, die zunächst noch zu umfahren sind, kurz darauf stehen alle Autos still. Wir erfahren, dass in einem Dorf gestreikt wird, der Grund ist die erneute, bisher nicht erfüllte Forderung nach besseren Häusern und Toiletten. Eine bunte Menschenmenge hat sich im img_3206Ortszentrum versammelt, der Bürgermeister spricht, viel Polizei sichert rundherum den Platz ab. Fast 2 Stunden stehen wir fest und sind uns nicht sicher, wie es weitergehen soll. In der näheren Umgebung gibt es keine CampMöglichkeit bis auf die eine in unserem Zielort. Zurückfahren wird auch schwierig, die nächsten Camps liegen nicht grad in der Nähe. Wir können Straßensperren durch Taxis und Minibusse oder andere img_3197Gegenstände erkennen, nix geht mehr. Irgendwann aber bewegt sich die verärgerte Menschenmenge, allmählich löst sich alles auf, und wir kriechen langsam an den nicht

allzu aufgebrachten Streikenden vorbei. Port St. John’s erreichen wir nach weiteren 2 Stunden, um dann festzustellen, dass es ein verdrecktes und hässliches Loch ist, in dem viele der Bewohner völlig betrunken und aggressiv durch die Straße taumeln, überall pinkelt einer durch die Gegend, laute Musik ertönt, Leute gröhlen, und der Camp hat zu! Prost auch. Ein paar Kilometer zurück finden wir dann doch eine Stelle am braunen Fluss, mit Wiese und ohne Getöse, aber mit Feuerplatz!

Fahrtag. Nichts Aufregendes, viele Potholes auf der recht guten Straße, vorbei an kleinen, bunten Hütten, die die trockene Landschaft sprenkeln. Uns erscheint die Landschaft img_3181ziemlich zersiedelt, überall sind bunte Häuschen und Menschen und Vieh. Man img_3172erklärt uns, dass diese Gegend von der Regierung lange Zeit ‚vergessen‘ wurde. Richtig scheint uns wohl eher, dass es sich fast ausschließlich um „tribe land“, also Stammesland handelt, das den Menschen auf Nachfrage beim StammesFührer zugeteilt wird. Ohne Kataster und Bauordnung versteht sich. Und dieser Stamm (mit eigener Sprache und  img_3168Tradition) hat es bis in die Regierungskreise noch nicht geschafft – das kann man auch ‚vergessen‘ nennen. Irgendwie spiegelt sich hier eines der Probleme Afrikas wider – es gibt demokratische Wahlen, der Sieger gehört einem Stamm an, ist für die anderen nicht oder wenig glaubwürdig und steht unter Generalverdacht von Korruption und Amtsmissbrauch. Passiert ja auch häufig genug. Und wie lange dieses und das Zusammenleben mit den Weißen noch gut geht, ist sehr ungewiss. Unser Plan ist, nach Mhdumi zu gelangen, einem BackpackersPlatz am img_3208Meer. Wir finden ihn und bleiben, allerdings ist er nicht, wie hier zu vermuten, am Meer gelegen und so richtig begeistert sind wir auch nicht, was ja immer mal sein kann. Eigentlich sind wir soweit, dass wir uns eine ruhige Oase am Meer wünschen, um zur Ruhe zu kommen – das war die Hoffnung für heute –  hier ist sie leider nicht. Also die 18 km Schotter-Fels-Piste hin/zurück, was je eine Stunde Fahrt bedeutet, die anderen 90 km Hin- und Rückfahrt und dann weiter. So queren wir allmählich das KwaZulu-Natal Gebiet und Eastern Cape.

Entlang der Küste finde ich einige reizvoll klingende Camps, wir starten positiv gemutet. Am Ende des Tages ist es ein langer, von NichtErfolg gekrönter Tag, wobei wir später tatsächlich an einem Ort kurz vor Port Elizabeth  landen, wo wir mit Meerblick und

Ruhe ausgesöhnt werden. Da wir ja zu den Alten zählen, bekommen wir entsprechenden Rabatt und zahlen ganze 6€! Darauf gibt’s erstmal ein Feuerchen!

Wir wollen heute Silvia&Christoph treffen und begeben uns auf den Weg in den Addo Elephant Park. Seit Etosha sind wir eigentlich entschieden, nicht mehr in Tier’Parks‘ zu fahren, wir freuen uns aber auf die Beiden, na gut, dann doch Addo. Da dieser Park für Garden Route-Besucher der nächst größere ist, muss man normalerweise vorbuchen, unsre Bayern haben einen Platz ergattert, der groß genug für 2 Autos ist. Danke!!! Nach kurzen ReiseUpdates machen wir uns auf, die Big Five zu finden. Tatsächlich begegnen

uns Elefanten, jede Menge Zebras, Warzenschweine und Antilopen, kein einziger Löwe

zeigt sich! Abends gehen wir überragend (na, Till 😉 ) Steak essen und trinken einige wenige AbschiedsBierWeine, denn morgen trennen sich womöglich unsere Wege.

Morgens um 6 Uhr stehen wir auf, denn der frühe Vogel findet den Löwen! Es ist ein grauer, regnerischer Vormittag, die Tiere scheinen keine Lust zu haben, draußen zu spielen, keins der gestern gesehenen zeigt sich. Irgendwann aber steht dann doch der dicke am Weg und reißt Sträucher und Bäume zum Verzehr aus. Kurz drauf kommt auf der anderen Seite ein Weiterer, der zunächst not amused über unsre Anwesenheit zu

sein scheint. Er wechselt die PistenSeite sehr dicht vor uns! Die Ohren flattern, der Kopfimg_3271wackelt, ok, wir weichen einige Meter zurück, dann noch ein paar …! Das scheint ihm zu gefallen, die Büsche interessieren ihn nun doch mehr als wir. Der linke Elefant zieht weiter, Elefant rechts frisst Büsche. Nach eiiiiniger Zeit drängt es uns weiter, Hitten passt den richtigen Moment ab und passiert Elefant rechts links 😉 . Um die Ecke aber steht Elefant links am Wegesrand und frisst. Elefant rechts macht sich auf zu Elefant links, in Begleitung von 5 Elefanten dahinter. Mir ist schon ziemlich warm, vor mir, neben mir und hinter mir die Dickmänner, fressend und die Piste entlang trabend, schon zügig! Wir entscheiden, keine Nahaufnahmen zu machen, vielleicht sieht es ja eh niemand mehr, und sozusagen mit Augen zuuu diffundieren wir vorbei. Spannend is schon. Später begegnen wir doch noch den Bayern und verabschieden uns zum 3. Mal, wir wollen weiter nach Sedgefield zum SamstagsBauernMarkt. Ein einsames Plätzchen am See kommt uns ausgezeichnet zu Pass.

Trotz Hitten’s Murren, auf den Markt zu gehen, ist der Besuch wirklich lohnenswert, sogar für ihn. Sowohl der Teil mit dem kleinen Bauernmarkt ist nicht nur zum Obst- und

img_3285Gemüseeinkauf gedacht, sondern dient auch als Treffpunkt für die Menschen aus den weit
auseinanderliegenden Dörfern. Einfache Tische und Bänke laden zum Frühstück ein, der Marktteil mit Überflüssigem ist gut besucht von geschätzt 50% Deutschen (?!), und natürlich darf auch der Kunsthandwerkermarkt nicht fehlen. Nach gut 3 Stunden reicht’s uns, und parken uns oberhalb desimg_3289 Meeres in Victoria Bay. Im letzten Jahr haben wir eine richtig gute Pizzeria entdeckt,

die wir genau heute wieder aufsuchen! Die Pizzen sind noch exakt so groß und gut! Vorteil!

Wir besuchen Wanda und Peter in Wilderness, bei denen wir letztes Jahr eine traumschöne Unterkunft hatten. Lustige Stunden verbringen wir in ihrem einfach

besonderen Haus, bevor wir an den nahe gelegenen See zum Übernachten weiterziehen. Tja, irgendwie ist, vielleicht wetterbedingt, die Luft ein bisschen raus, und wir wissen,

dass wir Ähnliches wie in den letzten Wochen in den paar Tagen nicht erleben werden. Das Feuer vertreibt Kummer und Kälte…

 

 

 

Ein Kommentar zu “Phase 8 – die etwas andere Seite Südafrikas

  1. Liebe Cornelia ,lieber Gerhard Habt Dank für den heutigen Blog .Ich kann mich natürlich täuschen,aber Cornelias Gesichtsausdruckwirkt auf den Betrachter dieses mal nicht gerade glücklich und zufrieden. Aber das kann ja mal vorkommen und geht auch wiedervorüber. Und diese aufdringlichen Trunkenbolde verbreiten auch nicht gerade Glück und Zufriedenheit.Gerhard dagegen steht im Fenster und erfreut die Umwelt mit Gesang. Man muß halt immer das Bestedraus machen. Ich hätte jetzt schon so einen Appetit, aber Claudia bleibt hart und läßt mich verhungern. Kartoffelpuffer mit Fleischpflanzerl und Staudensellerie! Nur kein Neid und guten Appetit

    Und natürlich herzliche Grüße
    Euer Heinz und Claudia. Gilching 11.03.19

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