Phase 7 – in Lesotho, um Lesotho und um Lesotho herum

img_2985Die Frage stellen wir uns seit Tagen – und die Entscheidungsphase nähert sich…

Unsere anfängliche Begeisterung über dieses Örtchen ändert sich spätestens am Abend, als das junge Volk mit riesigen Verstärkern und eimerweise Alkoholika (!) den Platz besiedelt. Bis 5 Uhr morgens haben sie Spaß und wir weniger. Zumindest hat auch die Dusche kein Wasser, sodass wir angefressen das Cultural Village verlassen. Unspektakuläre 350 km später finden wir im Norden Pretorias einen Camp mitten im img_2645Nationalpark. Da gibt´s für eine geringe Eintrittsgebührimg_2656 sogar „The Big Five“ zu sehen, scheinbar in der Wildnis lebend. Unser Camp liegt mitten drin, grüne Wiese, schattenspendende Bäume,  wasserspendende Duschen mit Warnhinweisen, Feuerstelle und riesige Echsen verhelfen uns zu ersehntem und vollkommenem Wohlgefühl. Dann ist es auch fast gar nicht mehr so schlimm, dass durch ein Missgeschick die ExtraPortion Spaghetti mit köstlichster roter Soße in den Dreck fällt – die Affen freuen sich später. Hätte besser laufen können, muss aber nicht. Moskitofrei und kühl verbringen wir die Nacht.

In Pretoria gehe ich kurz in den Supermarkt, während Hitten im Auto wartet. Als ich zurückkomme, fordert er mich auf, schnell einzusteigen, Türe abschließen und los fahren wir. Eine junge Afrikanerin hat ihn beobachtet und gewarnt, zu relaxt am offenen Fenster zu sitzen, es gäbe Bösewichte, die ihn ruck zuck aus dem Auto zerren und alles Greifbare mitnehmen würden. Bei näherem Umschauen stellen wir fest, dass es tatsächlich eine finstere Gegend ist, wir ziehen von dannen in Richtung Johannesburg und weiter. Lange Diskussionen und Recherchen zu Lesotho beschäftigen uns während der über 500 km. Das Auswärtige Amt spricht Warnungen aus und empfiehlt, sich in eine Sicherheitsliste einzutragen, sodass man, falls man verloren geht, entsprechend gesucht werden kann. Schweiz zahlt kein Lösegeld bei Entführung. Kriminalität steigt stetig. Niemals allein in die Großstadt. Puh. Was jetzt? Nicht rein? Doch rein? Stimmt das alles, oder ist es maßlos übertrieben? All die Leute, mit denen wir über das Land gesprochen haben, sind begeistert – allerdings waren sie nicht dort…! Aber erst mal brauchen wir einen Camp, um in Ruhe zu entscheiden. Und das ist ja wohl schwierig. 3 Camps, die wirimg_2671 ansteuern, gibt es nicht mehr, eines hat seit 5 Tagen kein Wasser, die Besitzer sind ziemlich deprimiert und nehmen niemanden auf, ein weiteres ist nur über 35 km Schotterpiste zu erreichen. Langsam geht uns die Puste aus, es gibt einfach nix im Kreis von 150 km. Einigermaßen genervt halten wir an einer Polizeistation (meinem maps.me-Navi sei Dank) und fragen, ob wir vor dem Polizeihaus übernachten dürfen. Der Chief ist sehr verständnisvoll, nein!, ihr dürft nicht irgendwo draußen schlafen, da seid ihr ein TARGET! Zum Staunen der Dorfbewohner stellen wir uns auf das gegenüberliegende kleine Feld, zur Abwechslung gibt’s Pasta, und wir verbringen eine Nacht unter PolizeiStrahlerBeleuchtung und Beobachtung.

Nachts kommt ein Auto ohne Licht und stellt sich in unsere Nähe. Wir warten argwöhnisch auf das Klappen von Autotüren, aber nichts passiert. Nach knapp 2 Stunden schleicht es sich, ohne Licht, an uns vorbei und vom Platz. Also, entspannt schlafen geht anders. Lesotho ist entschieden, wir wollen hin, wir sind im Königreich img_3080Lesotho, dem ‚Dach Afrikas’. Die Grenzformalitäten sind so schnell wie noch nirgends erledigt, und wir staunen uns nach Butha-Buthe. Da das Auto von Insektenkadavern völlig übersät ist, halten wir an einem kleinen Car Wash Stand. 4 Jungs schrubben und wienern die Kiste in ihre OriginalFarbe zurück. In dieser Zeit sprechen wir mit ein paar Leuten, die wieder sehr interessiert an uns und dem Auto sind. Von Unwohlsein oderimg_2885Gefahr-in-Sicht ist nichts zu spüren, aber gefesselt von Eindrücken einer erneut anderen img_2701Welt, anderen Lebensumständen, Kleidung und Freundlichkeit der tiefschwarzen Menschen. Wir rappeln einen abenteuerlichen Weg zu einem kleinen Camp in den

Bergen und sind froh, hier zu sein. Maseru, die Hauptstadt, interessiert uns nicht so sehr, abgesehen von möglichen Gefahren, deshalb ziehen wir den Osten des Landes mit seinem Gebirge vor. Frühmorgens brechen wir auf in die Drakensberge, überqueren 5  img_2940Pässe, erreichen mehrmals Höhen von 3200 m und passieren the Highest Point of Southern Africa, den Thabana-Ntlenyana mit seinen 3482 Metern. MannMannMann, was ist denn hier Phase? Die Schaf- oder Rinderhirten sind in dicke Decken gehüllt, schwere  img_2892wollene Pudelmützen auf dem Kopf und über den Gesichtsmasken, die ein bisschen wie der Kettenschutz eines Ritterhelms aussehen. Weit und breit sind wir die einzigen img_2970img_2955Touristen, vielleicht sind die natives auch deshalb so erstaunt und winken uns aus der Ferne bereits zu. Die runden Hütten sind im Gegensatz zu denen in Botswana gemauert und ebenfalls mit Stroh gedeckt. Manche Hütte ist außen liebevoll und künstlerisch verziert, Feuerstellen qualmen, Aprikosenscheiben hängen zum Trocknen an Schnüren. Kennst du das Gefühl, wenn einem das Herz vor Begeisterung warm wird? Schwer zu beschreiben. Die manchmal mit tiefen Löchern versehene und ansonsten perfekt geteerte Straße führt durch karges Hochgebirge, dann flattert plötzlich irgendwo eine

erdfarbene Wolldecke, darunter ist kaum zu erkennen ein Hirte, vorbei an kleinen Siedlungen, an DiamantenMinen und den benachbarten Unterkünften der Minenarbeiter. Grotesk ist img_2926der Moment, als ein Polizeiwagen mit Blaulicht drei schwarze MegaSUVs mit verdunkelten Scheiben und Blaulicht zu einem mit Zäunen und Polizisten mit Maschinengewehren gesicherten Gelände bringt. Die feinen Herren weihen ein neues Minen Office ein, wir vermuten mit anschließendem Sekt- und Kaviarempfang, während die eigentlichen Arbeiter draußen im Nichts leben und irgendwie ,durchkommen‘ müssen. Oftmals kommen Kinder während des Fotografierens ans Auto gerannt, manche img_3045tanzen uns was vor, andere plappern ‚how are you?’ und strahlen uns mit ihren blitzweißen Zähnen an. Ich könnt’ se grad alle mitnehmen. 4 Stunden später erreichen wir den legendären Sani Pass, eine der Verbindungen zwischen Lesotho und Südafrika. Er ist der dritt steilste Pass der Welt mit durchschnittlich 20% und in den Spitzen sogar 30% auf ungeteerter Fels- und Schotterpiste und nur fahrbar und erlaubt für Allradfahrzeuge. Da unser Auto zwar genügend Bodenfreiheit und 4×4-Antrieb, aber einen sehr hohen Schwerpunkt hat und ein Leihwagen ist, fiel diese Variante von img_3072Vornherein aus. Andere traveller scheinen ihn auch nicht gefahren zu sein, denn die beiden Camps sind leer. Wir drehen also um und lassen uns, von den wunderbaren An- und Aussichten im Land der BasothoStämme begleitet, nach Hause spülen.

Wir verbringen einen weiteren Tag mit vielen Bildern, Eindrücken und Gefühlen und verlassen am nächsten Morgen das Königreich, in dem das HIV-Virus eine ganze img_3074Generation der heute etwa 40jährigen auslöschte und auch heute noch 24% der Gesamtbevölkerung belastet. So mäandern wir dann über Bethlehem und Harrismith in die Drakensberge auf südafrikanischer Seite. Am Straßenrand weist ein Schild zu einem Camp, hingefahren und toll isses! Zwei kleine Terrassen laden zum Sitzen und Schauen img_3104ein, der volle Blick übers Flüsschen in die Berge. Hitten, der schlaue Fuchs, findet mithilfe der Karte heraus, dass genau gegenüber der Oranje River entspringt – so img_3132schließt sich langsam der Kreis, wir haben ihn als Grenzfluss zwischen Südafrika und Namibia bis kurz vor seiner Mündung begleitet, vorgestern passierten wir sein Quellgebiet in Lesotho und nun schauen wir auf den Berg seines Ursprungs. Um uns rum wuseln irgendwelche Felltiere, bunte Vögel (im eigentlichen Sinne, wissend, dass bei euch Karneval ist) – und natürlich olle DrecksTauben, aber ich hör’ da einfach nicht hin. Abendessen läuft. img_3117

 

 

Ein Kommentar zu “Phase 7 – in Lesotho, um Lesotho und um Lesotho herum

  1. Gilching2.03.19 Lieber Cornelia,Lieber Gerhard,Vielen Dank für den neuen Blog. Scheint ja nicht gerade die sicherste Gegend zu sein in der ihr gerade zu Gast seid.Wir werden uns jetzt eine Llasagne genehmigen, vorausgesetzt sie fällt getreu afrikanischer Tradition nicht auf den Teppich bzw. Sand..Der Blick auff die Karte zeigt, daß Eure Tage in Afrika leider schon gezählt sind. Geht ihr in Kapstadt wieder an Bord? Und dann? Südpol?Laßt es euch die restlichen Reisetage noch gut gehen. Ihr werdet ja eine ganze Menge zu erzählen haben..
    Mit ganz herzlichen Grüßen

    Eure

    Heinz und Claudia.

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