Phase 5 – alternativ oder massiv – wenn’s hilft isses Medizin

Die immerwährende Frage ist doch, kannse oder kannse nicht? So bewegen wir uns genau jetzt in der Phase der tiefgründigen Überlegung. Gin? Malarone? Tonic? Diese Frage bewegt uns schon lange –  und noch lange.

Das Hippo weckt uns, ist zwar nicht zu sehen, aber doch da! Die braune Farbe von Kaffee img_1817ist nichts Neues, dass aber das Wasser, in dem ich unsere Wäsche waschen möchte, auch braun ist, lässt mich staunen. Sinnvollerweise hab’ ich die paar T-Shirts schon mit Waschpulver in den Eimer gelegt, dann Wasser zulaufen lassen und damit ist der Fisch gegessen. Alles braun! Versuch’ doch einmal einer, braune Wäsche mit braunem Wasser zu spülen! Ich kippe das braune Wasser aus, hänge die braune Wäsche auf und stopfe sie nach dem Trocknen einfach zurück in den Wäschesack. Dann gehe ich duschen in? Jep, braunem Flusswasser, indem Hippos und Krokos schwimmen – und nicht nur img_1848-1schwimmen. Haarewaschen allerdings fällt aus. Es treibt uns weiter in den Mudumu Nationalpark, um noch mehr Wildtiere zu beobachten, und überqueren irgendwann den wie auch Sambesi und Okavango in Angolo entspringenden Kwando – und wir befinden uns seit Tagen auf mindestens 1000 m NN. Am Parkeingang zeigt uns die hübsche Officerin, die uns das Permit ausstellt, die halbwegs befahrbaren Wege durch den Park. Auf meine beiläufige Frage nach Moskitos und vielleicht Malaria lacht sie mich mit ihren weißen Zähnen an, yes, definitely! Ein weniger chemisches Mittel gegen diese Biester sei z. B. Tonic (gern mit Gin) oder Zitronensaft und das Einreiben mit Reiswasser. Gute Idee, der Einkaufszettel wir entsprechend erweitert. Die enge und sandige Piste führt uns zum ‚Hippo Pool’, in dem leider kein einziger Grunzer auszumachen ist und weiter durch img_1847tiefe, ausgefahrene Sandpisten mit großen Wasserlöchern am Kwando entlang. Irgendwann sind keine Fahrspuren anderer Autos zu sehen, das Gestrüpp um uns wird immer dichter und kratziger, der Weg immer schlammiger. So ziehen wie es vor, bei nächster Möglichkeit umzudrehen, was angesichts der Büsche und tiefen Löcher nicht soo einfach ist. Und Tiere gibt´s leider auch keine zu sehen, wahrscheinlich ist´s die falsche Tageszeit. In Katima Mulilo finden wir ein nettes Camp am Sambesi, gegenüber liegt Sambia (was für ein Name, emotionaler geht´s kaum), unter uns grunzt das Hippo.

Während wir von HippoGrunzGeräuschen umgeben noch überlegen, wie genau wir den img_1837heutigen Tag verbringen, und ich dann in ein schattiges BlogSchreibeBüro gehe, findet auf der anderen Flussseite ein respektables Feuerwerk statt, allerdings ohne die üblichen aufsteigenden Raketen. Morgens schon Feuerwerk? Kurz darauf hören wir die Sirenen von Polizeiautos, begleitet von Klängen anderer ‚Feuerwerke’, also Schusswechsel auf offener Straße, was uns insgesamt kein soo gutes Gefühl bereitet – also doch nicht so romantisch? Wir verzichten aufs Flusswasserduschen, und weil unsere schusssicheren Westen und die pump gun gerade nicht greifbar sind, begeben wir uns rasch auf den Weg zur Grenze nach Botswana. Der Grenzübertritt geht ganz schnell, freundliche Grenzer wünschen uns einen sicheren Weg, weiter an Kasane vorbei auf das wunderhübsche Senyati Camp, wo wir abends Elefanten, hunderte Büffel, Zebras, Giraffen und Antilopen an dem direkt

anliegenden Wasserloch beobachten können. Alles ist frei und offen, kein Zaun ‚sichert’ uns vor den wilden Tieren und hindert diese an ihrem Weg; so beobachten wir bewundernd und still dieses Naturerlebnis.

Die nahegelegenen Victoria Falls in Simbabwe wollen img_1879wir unbedingt sehen, entscheiden uns aber dagegen, mit unserem Auto zu fahren, da die Grenzangelegenheiten sehr teuer sind und der Preis häufig von der Laune des Grenzers abhängt. Wir lassen uns also morgens um 7 Uhr mit einem Kleinbus zu den Falls bringen, zwei Stunden später steigen wir aus dem ziemlich unbequemen Transporter und dackeln los. Da dieser Ort natürlich eine Touristenattraktion ist, findet man hier die entsprechenden Verkaufsbuden. Ah, aus Deutschland, dann selbstverständlich special price. So versuchen wir, bestimmt und freundlich das AngebotsSpiel zu beenden. Es gelingt! Bevor wir in den Park gehen, img_1888schauen wir uns die 200 m lange Brücke über den Sambesi an, die Simbabwe mit Sambia verbindet. Es wird dort Bungee Jumping, Rafting und sonstig (für uns) überflüssiger Quatsch angeboten, soll’n se doch. Ansonsten passieren hier massenhaft lange Trucks die Grenze, im Gepäck Metallplatten aus Kupfer und Zink, um sie nach Walvis Bay, Namibia zur Verschiffung nach China zu bringen. Hier findet der Ausverkauf einiger afrikanischen Ländern statt, ein Krankenhaus oder eine Straße gegen ewige Schürfrechte oder zoll- und mautfreien Warentransport. Und der Westen schaut zu. Welche Politik ist das? Im VicFallsPark angelangt, geben wir uns dem Getöse hin.img_1895Der Sambesi stürzt auf einer Breite von etwa 1700 m in eine über 100 m tiefe Schlucht, auf der anderen Seite, geschätzt 200-300 Meter entfernt und auf gleicher Höhe mit der Fallkante, befinden wir uns. Das Wasser wird nach dem Sturz zu Nebel, steigt als solcher auf, der Wind hilft ein wenig, und alle sind triefend nass. Wir img_1910-1laufen an den donnernden Wassermassen entlang, die Gischt gleicht einem breiten allumschließenden Sprühregen. Fotos machen kannze vergessen. So richtig dolle können wir uns nicht begeistern, hinzu kommen die irren SelfieSpezialisten und andere … Zeitgenossen ( :/ ). Glücklicherweise gibt’s ne Kakaobude mit Tonic, der Bus rappelt uns nach Hause, Feuer an (afrikatraditionell) und gut is.

Es regnet fast die ganze Nacht, und es ist im Weiteren auch nicht anders, egal, wir beginnen den Tag mit dem Wissen, heute passiert nix. Es gibt eine Waschmaschine, die unsere braune Wäsche in Normalfarbe zurückversetzen soll, Kühlkarre läuft nicht, dafür machen wir sie aber sauber. Hitten operiert seinen schlimmen Zeh, ich beobachte das tierfreie Wasserloch, das Kartenstudium geht voran, die Moskitos versuchen weiter, uns trotz MückenHochsicherheitsBekleidung etwas anzuhaben, der perfekte Tag! Hitten hat zwischenzeitlich ein Chamäleon entdeckt, ich hab’ noch nie eines gesehen und bin img_2258begeistert von seinem Farbwechsel, dem Spiel seiner Augen, seiner zielsicheren InsektenFangZunge und den SlowMotionBewegungen. Ein echter Vorteil ist, dass unser Platz über ein Hüttchen mit Strohdach verfügt, unter dem wir trotz heftigem Regen sitzen können. Tatsächlich kommen auch abends weder Elefanten noch kleinere Tiere, durch den beständigen Regen gibt es überall ausreichend frisches Wasser.

Im strömenden Regen räumen wir zeitig morgens die letzten Brocken ein, ich binimg_2273Zuträger, Hitten Wegräumer. In Kasane wollen wir einkaufen, nicht ganz einfach, denn die Läden öffnen gerade erst, es gibt so gut wie keine frische Ware. Da es auch dort regnet, bin ich nach kurzer Zeit klatschnass, nicht sonderlich gut gelaunt und verstaue die sehr übersichtlichen Einkäufe. 300 km lang ist die Strecke, die uns über eine weitgehend asphaltierte Straße südlich nach Nata bringt. Es gibt unzählige ‚potwholes’, eimertiefe Löcher in der Straße, die man, wenn überhaupt, erst spät erkennt. Verschiedene Hinweise sagen, dass alles Anhalten auf eigene Gefahr oder sogar verboten

ist, immer mal wieder deuten andere Schilder auf andere Gefahren hin, z.B. auf Landen

und Starten von Flugzeugen. Ne Schranke gibt ´s aber keine. Hinzu kommen Elefanten, die plötzlich aus dem Busch auftauchen und die Straße queren. Die Frage, wer stärker ist, muss man sich nicht stellen! Unter anderem deshalb zählt diese Strecke zu einer der gefährlichsten in Botswana. Viiiele, richtig viele zerdengelte und ausgebrannte PKW und LKW bezeugen das rechts und links der Piste. Es ist schon spannend, aufmerksam zu beobachten, wie img_2312  die Dickmänner über die Straße schreiten, egal, ob sich ein Auto nähert. Manchmal bleiben sie mit drohend wackelnden Ohren, dem bekannten Imponiergehabe der männlichen Spezies generell, stehen in der Erwartung, dass der untergeordnete Wicht sich demütig rückwärts entfernt, was meist auch geschieht. Kurz vor Nata hat’s vor ein paar Minuten einen schwer beladenen LKW img_2318auf die Seite gelegt, es ist glücklicherweise niemand verletzt, aber große Augen gibt’s. Nata besteht aus zwei Tankstellen, einem Liquorstore, Hühnern, Schlammlöchern und ein paar Menschen. Tanken ist ok, Schnapsladen nicht, der hat nur harte Getränke, Huhn tut uns leid, Schlammlöcher haben wir ausreichend kontaktiert, und die Menschen sind mit sich beschäftigt. Das Camp ist zweckmäßig, finden wir, wir sind fast die Einzigen. Diesmal hängen keine ElefantenWarnSchilder an den Bäumen, diesmal warnt ein Plakat vor 3 hier existierenden extrem giftigen Skorpionen, Gegenmittel und Notruf stehen daneben. Na bitte, langweilig wird uns nicht. Vor Schreck hab‘ ich’s nicht fotografiert.

Normalerweise weckt uns das Zwitschern der Vöglein, aber nicht heute! Da es die ganze Nacht wieder kräftig geregnet hat, stellen wir jetzt fest, dass Zudecke und Matratze nass sind. Yess, endlich Abwechslung! Es ist ein echter Spaß zu überlegen, wie wir in unsrem kleinen  Auto nass in trocken verwandeln können. Herausforderungen machen das Leben lebenswert, erstmal koch’ ich Kaffee. Da es wie irre weiterregnet, lassen wir das Projekt ‚von nass zu trocken’ sausen und fahren einfach los. Es soll ein weiteres Camp img_2327geben, auf dem nachmittags und abends die Elefanten rumlaufen, um am campeigenen
img_2326Wasserloch zu trinken. Die betonierten Holperklötze vor den Waschhäusern deuten darauf hin, dass die Elefanten wissen, wo es im Camp frisches Wasser gibt! Das wollen wir sehen, müssen bei der Ankunft direkt bezahlen (was man hat, hat man) und unterschreiben, dass wir auf eigene Verantwortung hier sind und uns auf eigene Verantwortung dort bewegen. Spannend oder spannend?! Wir gehen aufs Ganze und stellen uns in die direkte img_2347Nähe zur Wasserstelle. Der normale abendliche Ablauf beginnt: Hemdchen gegen hochsicherheitsstichfestes langärmliges Hemd tauschen. Hochsicherheitsstichfeste langbeinige Hose über schweißnasse Beine zerren. Hochsicherheitsstichfeste Socken über hochsicherheitsstichfeste lange Hose ziehen, rutschsichern. Hochsicherheitsstichfestes Schuhwerk fest schnüren und das hochsicherheitsstichsichere Fahrzeug verlassen. Leider ist die Idylle und Romantik img_2346ziemlich eingeschränkt, rund um die Tränke stehen Miethütten, keine Bilder, es sieht schon recht kommerziell aus, zudem brummt unentwegt ein Generator (unsere saudoofe nervenaufreibende KühlMistBlödmannKarre seit 2 Tagen nicht). Am Ende kommen nur zwei Elefanten, und die sehen eher abgekämpft und ungefährlich aus. Wir wollen unser Geld zurück! Dafür bekommt Hitten Zahnschmerzen, wir überlegen eine sinnvolle Strategie und beschließen, dass er den Bereich zunächst gründlich reinigen muss. Zur Desinfektion setzen wir dann das einzige Großkampfmittel img_2344ein, das wir finden können, ne Flasche Gin. Wieder stellt sich die Frage nach der richtigen Medizin. Antibiotikum? Oder weniger chemisch? Der Gin wird wiederimg_2324 und wieder um den Zahn gewälzt. Mal schauen was geschieht … Der neu einsetzende Regen beendet weitere Überlegungen, wir verziehen uns ins trockene Bett, Hitten schläft sofort ein, klar, es ist 19:30 Uhr. Die KühlKarre ist eine WarmKarre. Am Ende des Tages sei ein kurzer Vergleich gestattet, Schuh und ElefantenPooh…!

Kein Regen weckt uns, sondern der eitle, wirklich wunderhübsche Toko springt immer img_2323wieder an die Windschutzscheibe, um seine sonntägliche Schönheit zu bewundern, wir nennen ihn KrisVogel. Hitten’s Zahn hat sich leidlich gebessert, der Schmerz hat sich eher verlagert. Antibiotikum? Krankenhaus? Gin? Unsere privat-persönlichea06fe4ee-f168-4653-8aa6-c83df76b70b3 medizinische SpezialZahnärztin Miri rät zur klassischen Variante: Antibiotikum oder raus. Antibiotikum schmeckt nicht! Kombizange und 17er Schlüssel liegen bereit. Aber erst wenden wir nochmal die GinMethode an. Doof, dass ich keine Zahnprobleme hab. In Gweta entlang der Strecke Nata – Maun bleiben wir im Baobab-Camp. Umgeben von der DornbuschSavanne, schattenspendenden (und damit leider lufthemmenden) Büschen parken wir uns und sind gelähmt von bleierner Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit.
Ausnahmsweise entscheiden wir uns heute fürs Restaurant, genießen ein perfektes und sehr günstiges Filetsteak, allerdings garniert mit Millionen uns umkreisenden Fliegen. Kann es soo viele Fliegen geben, die sich gleichzeitig um unsere Augen, das Essen, unsre Nasen und die beigestellten Gewürzflaschen  streiten? Ja, das kann. Viel zu früh zeigen sich nahezu unsichtbare Moskitos, die, wen wundert’s, Hitten stechen. Auch damit ist der Abend trotz wunderschönem Feuers für ihn frühzeitig beendet, es ist 19:30 Uhr.

Zahnschmerz übersichtlich. Laune ebenfalls. Ich hab’s dick, Hitten’s Lymphknoten auch. Wir halbgenießen den Kaffee und begeben uns ins Ungewisse. Die Nxai Pan scheint uns interessant, und wir entscheiden uns, in den NP zu fahren. 35 km rein durch miesen Tiefsand, 35 km zurück, gleiches Problem. Und nur 7 Elefanten. 4×4 kann das, nur Aufsetzen darf er nicht!

Eigentlich hätten wir noch tiefer in die Salzpfanne fahren können. Aber aus Erfahrung …! Auch der ParkOfficer warnte: be careful! don’t get stuck! Unsre gestrigenimg_2394 CampNachbarn sind steckengeblieben in knietiefem Matsch und hatten 2 Stunden zu tun, zu 4t ihre Karre auszubuddeln. Ne, danke, besser nicht. Wir drehen um, weiter durch tiefen Sand. Über tausende Löcher auf der Asphaltstraße und entnervt erreichen wir Maun. Bei Britz erkläre ich das KühlKarrenProblem und ohne Hickhack wird sie ausgetauscht! Fall erledigt, die Kiste läuft wie ne Eins.

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Phase 5 – alternativ oder massiv – wenn’s hilft isses Medizin

  1. Liebe Cornelia, lieber Gerhard.Ihr macht ja ganz schön was mit . Sand, Regen, Löcher, Elefanten,Hitze, Zahnschmerzen, Lymphknoten, nasseMatratze …… Aber a Guada hoits aus. Wir leiden und genießen mit euch. Ich muß noch noch die morgige Reise nachMünchen vorbereiten. <<<oiso Guad Nacht. Schöne Grüße von Heinz und Claudia. Gilching 19.2. 19

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