g-renzbedingtes FormalitätsTheater

fordert uns heraus und verlangt Geduld. Viel Geduld! Kirgistan ist nicht so einfach zu verlassen, und überhaupt nicht einfach ist es, China zu betreten.

Das was ich gestern nicht mehr schreiben konnte, füge ich heute hinzu. Wir schauen uns

die Karawanserei an, die über 500 Jahre alt und gut erhalten ist. Der Platz in den Bergen FullSizeRender 9in beträchtlicher Höhe beeindruckt jeden! FullSizeRender 26Am frühen Morgen kurven wir über die gut ausgebaute Bergstraße Richtung Pass, der in FullSizeRender 3

IMG_71353750 m Höhe liegt, umgeben von fast 5000 m hohen Riesen, die kaum mit Schnee bedeckt sind, Bergspitze an Bergspitze. Noch nie haben wir solche Bergformationen gesehen, sie sehen gewaltig und mächtig und erhaben aus. Fast auf Passhöhe führt es uns über eine weite Hochebene bis zur kirgisischen Grenze. Die Zöllner sind gewohnt freundlich und werfen mit bedeutender Miene einen Blick ins Auto, an einem anderen Check Point wollen sie alles von innen sehen und steigen ein. So passieren wir mehrere Vorposten, Zollerklärung abgeben, neue Formulare ausfüllen, Umweltsteuerbeleg (!!) vorzeigen bis wir schon nach wenigen Stunden (!!) endgültig das freundliche und landschaftlich großartige Kirgistan verlassen. Irena, unsere kirgisische Begleiterin bleibt leider zurück, Schade. Eingestimmt auf eine längere Wartezeit und eindeutigen Schildern (wir wissen immer gern wo wir grad sind) nähern wir uns der chinesischen Grenze, um dort zu erfahren, dass sie jetzt erst einmal für schlappe 2 ½ Stunden Mittagspause machen…!

Guten Appetit. Ich nutze die Zeit und koch’ das Abendessen, da es heute Abend vermutlich etwas später werden wird. Tatsächlich schieben die Grenzer nach 3 Stunden etliche Panzersperren und durch Stacheldraht gesicherte Schiebezäune zur Seite und fertigen uns einzeln und äußerst genau ab, wohlgemerkt ist das erst der GrenzVorposten! Langsam, kontrolliert von Hunderten von unterschiedlich großenFullSizeRender 49

Kameras auf der ungefähr 40 km langen ‚Straße’, deren Zustand ich nicht zu beschreiben FullSizeRender 30vermag! rollen wir zum nächsten Posten. Die Fahrer müssen durch eine Kontrollstation, die Beifahrer durch eine andere und dürfen nur dahinter wieder ins Auto einsteigen –  ich möchte erinnern, es ist nur ein weiterer Check Point. Gegen 19 Uhr erreichen wir das Grenzterminal mit seinem Zollhof, dort wird allerdings gerade Pause gemacht. Geraume Zeit später kommen ein paar Mann, die die Fahrgestell- und Motornummer kontrollieren möchten. Das dauert seine Zeit. Ein anderer sammelt alles Obst und Gemüse ein, das wir übrigens extra am Vortag noch gekauft haben, ‚Quarantäne’ ist die Begründung. Leise auf deutsch fluchend fülle ich alles in die aufgehaltene Tüte des Wachmanns. Es ist übrigens heiß, staubig und windig, nur für die, die’s nicht interessiert. Mit größter Geduld warten wir auf neue Informationen, die wegen einer Pause auf sich warten lassen. Und dann wird’s verkündet! Die Autos werden nicht mehr abgefertigt und müssen auf einem SicherheitsHof abgestellt werden. Wir dürfen nicht drin schlafen und werden mit einem Bus in ein Hotel nach Kashgar gebracht, was über eine Stunde entfernt ist. Aufständische müssen beruhigt werden, Sachen packen, Autos mit neuen IMG_9432Problemen im Sicherheitstrakt parken, und schon geht’s um 0:45 Uhr in die Stadt. Das Hotel ist ok, sauberes Bettzeug, wir versuchen, uns den eingefressenen Staub abzuduschen und fallen hundsmüde ins Bett.

Das angebotene Frühstücksbuffet ist umfangreich und köstlich, hauptsächlich gemäßigt chinesisch. Gebratener Reis, Spiegeleier overeasy, Tomätchen, Mangold, Gurken- und Nudelsalat, Suppe mit irgendwas drin, Würstchen glaub ich, süßer Kaffee, Teigtaschen, frisches Obst, Toast und Marmelade. Damit gestärkt begeben wir uns zur Grenze zurück,

der Weg führt durch die absolute Tristesse, vorbei an einem chinesisch-muslimischen
IMG_9470Friedhof, anders gläubige chinesische Tote dagegen werden seit 1970 verbrannt.

2. Versuch der Abfertigung. Im Sicherheitshof werden die Autos gewogen, von der Waage runtergefahren und direkt im Anschluss wieder gewogen! Ja, im Formular müssen zwei Werte auftauchen! Der Unwissende staunt, der Wissende nicht. Die Sachlage ist folgende: ein Auto wird im Hof abgestellt und sogleich gewogen, der Fahrer verlässt den Hof und kommt am nächsten Tag wieder. Dann wird das Auto erneut gewogen um auch ganz sicherzustellen, dass nicht irgendwelche Waren womöglich gesetzeswidrig, verschoben wurden. Das verstehe ich. Allerdings ist mir unerklärlich, warum das WiegeProzedere im Blick des WiegeMeisters innerhalb weniger Minuten zu wiederholen ist.  So isses halt. Flux sind zwei Stunden um, und wir dürfen auf den Zollhof zurückfahren. Kostya rennt von linkem Zollhaus zu rechtem, spricht mit dem Nebenverantwortlichen und dem Grenzer, es ist übrigens immer noch heiß und staubig und windig.  Zeit vergeht, um 13:30 Uhr erfahren wir, dass jeder in/an seinem Auto bleiben und nicht rumlaufen solle. IMG_9436Ab 16 Uhr könnte es, nach der GrenzerPause, weitergehen. Mit einigen Starken können wir Hitten vor unüberlegten Angriffen im Affekt abhalten. Ich ruhe mich aus und kann sogar schlafen, trotz Hitze, Staub und Wind. Um 16 Uhr verkündet der chinesische Guide, ab 16:30 Uhr könne man wahrscheinlich mit erneutem Arbeitseinsatz rechnen. Allerdings müssen zunächst alle Gasflaschen und lange, möglicherweise als Waffe zählende Küchenmesser gezählt werden. Nach zu erwarteten Fragen lässt sich auch diese Aufgabe lösen, wir warten einfach noch ein bisschen. Und tatsächlich, noch vor 20 Uhr, wird die Freigabe erteilt und wir können nach China einreisen! An einem Hotel in Kashgar können wir die Autos parken, rotten uns mit ein paar Hungrigen zusammen und gehen auf der Straße

wunderbaren uigurischen Grillfisch essen und Tee trinken! Das entschädigt uns für die beiden Tage!

Damit keine Langeweile aufkommt werden wir zur Registrierung aller Fahrzeuge, Ausstellung der Führerscheine und Prägung der Autokennzeichen an eine Polizeistation beordert. Das kann auch dauern, geht aber unerwartet schnell, schon nach 3 Stunden ist fast alles erledigt (Führerscheine und Schilder sind noch nicht fertig und sollen uns zum Hotel gebracht werden), und wir können nach Kashgar zurück. Dort bringt uns ein Bus zu FullSizeRender 44einem Supermarkt, der über ein „gutes“ Sortiment verfügt. Bepackt mit Wasserkanistern und sogar Yohurt (gesüßt…) und mit ohne Bier kehren wir zum Auto zurück und starten eine kleine Exkursion durch die Altstadt und über den Markt. Anfangs wollte man die aus Lehm gebaute Stadt abreißen, rechtzeitig wurde das Vorhaben aber gestoppt und

jetzt ist man bemüht, die alte Stadt, in der nach wie vor viele Menschen wohnen und arbeiten, zu restaurieren, ein noch lange dauernder und aufwendiger Prozess.

Der Markt ist riesig, auffallend ruhig und geordnet, mehr als 20 Hauptgänge mit 13

Trilliarden Nebengängen, alles kannste kaufen, alles ist sauber, alles ist bunt. Und dasFullSizeRender 13

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MenschenStudium ist wiedermal das Spannendste! Abends treffen wir uns in einem FullSizeRender 19uigurischen Restaurant, das große Ähnlichkeit mit einem Hotel hat. Wir gehen in die dritte Etage, vorbei an mehreren Zimmern, die aber keine Hotel- sondern jeweils eigene Restaurantzimmer sind. Es wird erst einmal kaltes Bier ausgeschenkt, in einem muslimischen Land nicht üblich. Mehrere Kellner laden die drehbare Glasplatte in der Mitte des Tisches voll mit echten Köstlichkeiten wie gegrillten Schafsspießen, Hühnchen und gebratenem Rindfleisch mit Gemüse, Auberginen, diversen Salaten und ungesalzenem Reis. Kaum noch des Gehens fähig schleppen wir uns erst noch zum Bierverkäufer, dann zum Bus und nach Hause. Die Schilder und Führerscheine sind übrigens noch nicht fertig…! Glücklicherweise funktioniert unsere Dusche, und nach einer gemütlichen DraußenSitze klettern wir ins Bett.

Pläne werden gemacht, um sie zu verwerfen. Ursprünglich sollten wir morgens zur Polizeistation, um endgültig das fehlende Zeux abzuholen. Kurz vor Abfahrt erfährt Kostya, dass es wohl doch geliefert wird, warten wir doch einfach ein bisschen. Tatsächlich kommen die Führerscheine, keine Schilder. Eine gaaanze Weile später FullSizeRender 12kommt die Erlaubnis, ohne chinesische Schilder weiterfahren zu dürfen, so begeben wir uns auf die Straße stadtauswärts. Die heutige 500 km lange Etappe, über eine gute befahrbare Straße und mit Klimaanlage kein Problem! Es lässt sich sogar während der Fahrt kochen und ja, ich bin äußerst vorsichtig, Onkel Heinz! Kleine Straßendörfer zeigen ihr lebendigstes Leben!

Stundenlang zotteln wir am Rand der Taklamakan Wüste, FullSizeRender 5der Wüste ohne Wiederkehr,  entlang, durch Sandsturm und Sandverwehungen auf der Straße vereinzelt können wir enorme Windhosen beobachten. Trotz der Dürre findet man hin und wieder ärmliche Hütten, in denen tasächlich Menschen leben, aber wovon? Weit und breit ist nichts als Sand. ausgetrocknete Flussbetten, die von durchaus großen Strömen zeugen.

wie hier ein nasser und kurz später ein komplett ausgetrockneter Fluss mit tiefen Tälern.

Schön, wenn die Piste zu erkennen ist, ohne dass die Sandverwehungen sie verstecken.

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Gleichwohl uns die Andersartigkeit der Landschaft begeistert, so beängstigend ist die Andersartigkeit der Kontrolle. Überall sind unscheinbare Überwachungskameras installiert, alle 50 m stehen Polizisten mit unterschiedlichen Geräten wie Knüppeln, Werkzeugen, mit denen sie Verdächtige auf den Boden drücken können, lanzenähnlichen Gegenständen, Maschinenpistolen. Häufig werden nur unsere Pässe kontrolliert, mittlerweile haben wir sowohl einen chinesischen Führerschein als auch ein chinesisches Nummernschild. Nachrichten schreiben wir eher leicht verschlüsselt, um unangenehmen Repressalien aus dem Wege zu gehen. Hintergrund ist, dass es sich hier um das nicht immer politisch ruhige Uigurien handelt mit muslimischer Bevölkerung im Grenzland zu Pakistan, Afghanistan und natürlich Tibet handelt. Wir hoffen, dass sich diese Kontrollsituation mit der Sperre von Google, Facebook und Twitter im Laufe der Reise ändern wird. Selbst die Nutzung von ganz normalem Internet ist drastisch eingeschränkt. Was nichts an der Freundlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen ändert! FullSizeRender 4

Die Wüste als VerkehrsSchule stellt sich immer mal wieder drastisch dar. Wenn’s hilft…! Nach längeren ZwangsPausen an Polizeikontrollstellen mit Ausweis zeigen bis hin zumFullSizeRender 8 Telefonieren mit unserem chinesischen Guide, der uns Angaben zum weiteren  FullSizeRender 7 Vorgehen gibt, daddeln wir von Wüste mit Sandhosen in Dörfchen mit Gewusel und sinnvollem Doppeltransport! Das Land wird nun fruchtbarer, Reis- und Maisfelder auf der einen Seite, riesige Walnussbaumplantagen auf der anderen. Eingerahmt ist die kilometerlange Chaussee von unzähligen kleinen und etwas größeren Pappeln. Wir können nur mutmaßen, was damit geschieht, auffällig ist es allemal!FullSizeRender 11 Nochmal ein Stückchen Wüste, viel Sand und nichts, dann fahren wir unvermittelt auf ein einsames Tor zu. Für wen? Für was? Die Fähnchen an den Seiten sollen dem Sand- (statt Schnee)räumer zeigen, wo die Piste zu Ende ist, die Sandverwehungen machen manchmal die Übersicht unmöglich. Mingfeng, unser Ziel für heute und morgiger Ausgangspunkt für die

Durchquerung der Taklamakan ist erreicht, wir sind froh, bei gemäßigten 33° Schluss zu machen. Xing, meine chinesische Halbziehtochter (sie nennt mich ‚deutsche Mama‘) stellt mir netterweise ihre SIM-Karte zur Verfügung, sodass ich überraschend meinen Blog schreiben kann, mit der uns zur Verfügung gestellten klappt es (noch?) nicht. Das bedeutet im Weiteren, dass für die nächsten 5 Wochen nicht sicher ist, ob’s mit dem Schreiben hinhauen wird. Äh, nur so am Rande, es geht uns gut, Karre läuft und gesund samma a!

2 Kommentare zu “g-renzbedingtes FormalitätsTheater

  1. Gilching,27.05.17
    Hallo Cornelia und Gerhard! Ihr macht ja einiges mit bei den Grenzkontrollen. Ich glaube man braucht schon einen gehörigen Vorrat an Geduld und gutem Willen. Denn unangenehm auffallen sollte man in diesen Ländern nicht, die Staatsmacht ist omnipotent. Zum Glück seid ihr nicht unter Zeitdruck. Nehmt es von der positiven Seite und freut euch, das ihr solche exotischen Erfahrungen machen könnt oder dürft. Mir ist ja noch unbegreiflich wie das mit der Umstellung auf die chinesischen Schriftzeichen funktioniert. Sind das alles Gelehrte? Könnt ihr denn alle Hinweis- und Straßenschilder entziffern? Ihr werdet sicher viel zu erzählen haben wenn wir uns eines fernen Tages wiedersehen. Mittlerweile dürftet ihr in China angekommen sein. Herrscht da womöglich auch noch Linksverkehr? Sei`s drum. Jedenfalls ist eure Reise hochinteressant.Das zeigen auch eure zahlreichen Fotos, Extra-Dank dafür. Wir wünschen euch störungsfreien weiteren Reiseverlauf und freuen uns auf den nächsten Kontakt.
    Mit herzlichen Grüßen
    Eure
    Heinz und Claudia.

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  2. Mannoman, eure Überfahrt nach China war ja spannend! Damit, dass ihr eine Nacht im Hotel verbringen müsst, habt ihr sicher nicht gerechnet, was? 😄
    Ist ja Wahnsinn, wieviel Zeit und Geduld man aufbringen muss, um auf dem Landweg nach China einzureisen.
    Dafür werdet ihr nun mit gut befahrbaren Strassen entschädigt.
    Wie immer war es interessant zu lesen und zu sehen, was ihr alles erlebt. Die Taklamakan Wüste finde ich nun allerdings weniger ansprechend, als die wundervollen Berge in Kirgistan…
    Ich hoffe sehr, ihr findet eine Möglichkeit weiter zu bloggen!!!
    Bis dahin: gute Weiterfahrt und tolle Erlebnisse in China!

    Gefällt 1 Person

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