überrascht…

FullSizeRender.jpgwerden wir von Gewitter und Regen. Aber, der Reihe nach.

Am Samstag, den 30.4. setzen wir problemlos von Algeciras nach Ceuta über. Nach einer halbe Stunde Weiterfahrt versetzt es uns dann, an der Grenze nach Marokko, völlig unvermittelt, wenn auch erwartet, in eine andere Welt. Natürlich war uns klar, dass die Menschen in einem arabischen Land schon abenteuerlich auf uns wirken, dass sie sich aber so freundlich, hilfsbereit und offen zeigen, beeindruckt uns schwer. In den verschiedenen Reiseführer wird darauf hingewiesen, man solle sich keinesfalls auf die ‚Hilfsangebote’ der emsigen Marokkaner einlassen, die Anmeldeformalitäten könne jeder auch ohne fremde Unterstützung. Ganz sicher richtig. Das muss jeder für sich selbst entscheiden, wir haben die Hilfsbereitschaft eines sehr gut deutsch sprechenden, in einen langen braunen Mantel gehüllten Einheimischen dankend angenommen. An der Grenze muss man an insgesamt 5 kleinen ‚Büros’ Einreiseformulare vorlegen und zum Teil auch erst dort ausfüllen. Er leitet uns zunächst von einer langen Warteschlange in eine andere, schnellere Spur und bringt dann unaufdringlich und zurückhaltend die Formulare, die wir in Ruhe ausfüllen und dem mürrischen Grenzer übergeben. Wir geben ihm 5€ und sehen es als eine ganz normale (freiwillige, gern geleistete) Bezahlung einer entsprechenden Gegenleistung. Mit guten Wünschen entlassen wir uns gegenseitig.

 

Wir fahren nach Martil auf einen kleinen Campingplatz am Mittelmeer. Beim ersten Tajine-Essen im Campingrestaurant lernen wir Peter und Brigitte kennen, die uns vertrauensvoll 2 Campingführer leihen, die sich schnell bewähren! Tajine heißt sowohl der Tontopf mit kegelförmigem Deckel als auch Gericht, das darin geschmort wird. Es besteht oft aus Gemüse, Hähnchen und Kartoffeln. Wir sind der Meinung, die Zubereitungsart ähnelt unserem OmniaBackofen.

Am Sonntag fahren wir mit dem Bus in das eine Stunde entfernte Tétouan. Allein die Busfahrt ist schon toll, wir würden gern Fotos von all den Mitreisenden machen, trauen uns aber nicht. In Marokko ist, wie auch in Deutschland, der 1.Mai Feiertag – Tag der Arbeit!DSC_1757FullSizeRender
Tétouan ist deshalb weniger quirlig als an anderen Tagen, obwohl großer Markt ist.IMG_9574 Uns gehen die Augen über, in den engen Gassen der Medina sitzen die verschleierten Frauen und verkaufen selbstgemachten Joghurt, Eier, Gewürze. FullSizeRender
Es riecht nach Früchten, Gemüse, Fisch und alles überhaupt nicht unangenehm. Nach 5 Stunden sind die Füße platt und die Akkus, nicht nur die der Kameras, leer. Wir lassen uns zum Campingplatz zurückbringen, um die Eindrücke nachwirken zu lassen. Es ist uns ganz besonders aufgefallen, dass, obwohl wir eindeutig als Fremde zu erkennen, sich niemand aufdringlich als Fremdenführer anbietet oder sich distanzlos verhält. So viel anders, als unsere Erfahrung vor fast 40 Jahren. Es begeistert uns und macht uns ruhig.

 

Am Montag wollen wir nach Chefchauèn, am Rand des Rifgebirges gelegen. Der Campingplatz liegt genau über der Stadt und wir steigen am Nachmittag über viele Treppen runter – und danach wieder rauf… Auch dort ist Markt, der die blaue Stadt noch lebendiger scheinen lässt.DSC_1792

Fast alle Häuserwände, Gassen, Blumentöpfe und Torbögen sind blau gestrichen. Es gefällt uns gut, allerdings ist uns die eigentliche Medina zu sehr auf den Tourismus ausgerichtet. Wir fragen uns, wer all diese Pöttchen, Schlüsselanhänger und Turbane haben möchte, zumal wir glücklicherweise ganz wenige Touristen treffen. Wir lernen Anke und Robert kennen, die uns einen weiteren Reiseführer vererben. Die Beiden reisen mit ihrem kleinen Töchterlein durch die Welt und schreiben Reiseführer, kuckst bei reisefiebaer.de

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Wieder ein spannender Tag, allerdings hält sich ein etwas schwermütiger Gedanke: heute wäre unser Flug nach Halifax gewesen…, aber die guten Gedanken zu ALLEM überwiegen!

Da wir ein eindeutiges Drängen nach Neuem, noch nicht Erlebtem verspüren, stehen wir früh auf und entscheiden uns, nicht die großen Städte wie Meknès und Fes anzuschauen, sondern es geht erst einmal Richtung Wüste. Wir wissen zwar, dass wir keinen Zeitdruck haben, aber die Vorstellung, mitten in den Dünen zu stehen, macht uns extrem gespannt! Diese beiden benannten Städte schauen wir uns später an, darüber sind wir uns bewusst! In Ouezzane halten wir an, denn wir wollen endlich eine marokkanische SIM-Card fürs Eibrett, damit wir jederzeit einen Hotspot einrichten und damit ins Internet können. Ist alles nicht so einfach! Ein freundlicher (und ich meine wirklich freundlich) Marokkaner zeigt uns einen Parkplatz und fragt, ob wir etwas suchen. Ja, er weiß, wo Maroc Telekom seine Agentur hat und kurzerhand machen sich Hitten und er auf den Weg. Ich unterhalte mich mit einem Lehrer, der mir ein bisschen zur Stadtgeschichte erzählt. Nachdem ich ihm irgendwann zu verstehen gebe, dass ich gern weiter in meinen Reiseführern lesen möchte, verabschiedet er sich und setzt sich auf eine Bank in Sichtweite. Immer, wenn sich doch jemand dem Auto zu sehr nähert, zischt er irgendwas, und ich bleibe unbedrängt. Mein stiller Bewacher. Fast eineinhalb Stunden später kommt Hitten, halb genervt, halb glücklich mit dieser bescheuerten Karte. Nichts ist einfach, aber mithilfe des netten Marokkaners und etlichen Besuchen in verschiedenen Kakaobuden wurden sie fündig. Wir haben jetzt 3 oder 4 Gigabyte für ca. 5€, läuft!

Wir fahren weiter, an Meknès vorbei und finden einen prima Camping bei Azrou, haben freies Internet und schreiben und bekommen Nachrichten, feine Sache! Angeheizt wird auch, wir wollen ja warm duschen…!

 

Es ist erst Mittwoch, und wir sind doch schon ziemlich weit im Süden. Zum Glück sind wir beide der Ansicht, nicht jagen zu wollen, aber die Oasen und Kasbahs ziehen uns magisch weiter, erstmal. DSC00370So starten wir Richtung Ar-Rachidia auf der teilweise recht rappeligen N13 und sind wieder begeistert von den Menschen, die uns anlachen und zuwinken, aber jetzt fasziniert uns besonders die Gegend. Und da gibt’s viel Gegend! Anfänglich Weizenfelder, Olivenplantagen- und Wein(!), langsam übergehend in Gebirge mit Zeltdörfern und Schafhirten. Manchmal auch Affen… Es wird immer einsamer, ganz vereinzelt sieht man irgendwo im Fels eine Höhle. Wir fragen uns, woher plötzlich 5 Schafe und ein junger Bursche kommen, auf dem Boden kauernd. Und, wohin geht er abends? Nichts spricht weit und breit für eine Behausung. Allmählich  wird es noch karger, Steinwüste soweit man schaut. Wir sind im Mittleren Atlas, da scheint das so üblich zu sein ;-)).

Nach vielen Stunden ‚Autokino‘ erreichen wir Er-Rachidia, kaufen ein und fahren in unsere erste Oase ‚Source Bleue‘ in Meski,FullSizeRender wo wir mehr als herzlich mit Tee und dem Tajine-Angebot für morgen von Mohamed empfangen werden. Wir richten uns gemütlich unter lauter Dattelpalmen ein, planen nix und gehen erfüllt und wirklich glücklich ins Bett. Am frühen Morgen werden wir, nicht vom Wecker, sondern einem lauten und heftigen Gewitter mit Sturm und Regen geweckt! Äh, ist hier Afrika oder was? Mo bastelt uns aus Palmblättern ein Kamel, das wir als SpähVieh vorn verankern!FullSizeRender

DSC00395Das war jetzt nicht der Plan, schon gar nicht, dass unsere Solaranlage ausfällt…! Jeder, der Hitten kennt, weiß was passiert, darauf muss ich nicht näher eingehen! Mechaniker kommt aus 80 km Entfernung und knistert irgendwelche Sicherungen raus und rein, keiner weiß, ob’s die richtigen sind. Jedenfalls funktioniert es dann. Langweilig ist anders!

 

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2 Kommentare zu “überrascht…

  1. Liebe Conny,lieber Hitten, wir hatten schon gespannt auf ein Zeichen von Euch gewartet,spannend deshalb, weil wir noch nicht wissen ob wir alles richtig machen um in Kontakt mit Euch zu kommen.Nun ist es also geschehen, das beruhigt erst einmal. Hat Euch unser Kommentar auch erreicht? Die Fortsetzung des Reiseberichts liest sich spannend und kann als Vorlage für eine spätere Veröffentlichung dienen. Ihr habt echte schriftstellerische Qualitäten. Ihr macht anscheinend nur gute Erfahrungen mit den Einheimischen.Das ist erfreulich, trotzdem würde ich eine gewisse Vorsicht in dieser neuen und fremden Umgebung walten lassen, um nicht einmal in eine Falle zu tappen. Wenn ich versuche mich in Eure Situation zu versetzen, so muß ich gestehen,daß mich schon ein wenig prickelnde Aufregung erfaßt, das liegt wahrscheinlich an meiner zu geringen Erfahrung (verglichen mit Eurer jahrzehntelangen weltweiten Reisetätigkeit). Wir wünschen Euch viel Glück bei der weiteren Erkundung Afrikas und sind schon gespannt auf den nächsten Bericht.
    Mit herzlichen Grüßen
    Eure
    Heinz und Claudia.

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