C-haotisch sind die Straßen

 

über die wir hunderte von Kilometern fahren und fahren werden…

Einschub der besonderen Art: in Ermangelung von stabilem Internet nutze ich jetzt erstmal eher die Möglichkeit, Bilder zu schicken. Die Inhalte lassen sich häufig daraus entwickeln. Ich bin ja froh, wenn’s überhaupt klappt.                                                     Morgens werden wir zu einer Stadtführung abgeholt. Ich verzichte auf alle historischen Ausführungen und Erläuterungen, denn jeder weiß, dass Wolgograd ursprünglich Stalingrad hieß, dass schreckliche Gräueltaten und Grausamkeiten auf beiden Seiten geschehen sind, dass Hunderttausende von für das Vaterland kämpfenden Soldaten sowie unglaublich vielen Zivilisten betroffen waren, dass NaziDeutschland der Aggressor war und Russland letztendlich siegte. Einige Anlaufstellen möchte ich dennoch kurz nennen. Die riesige Statue ‚Mutter Heimat’ image

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Reliefs des toten Kriegers mit Gewehr und ohne Herzimage

Darstellungen der Schlacht um Stalingrad

Mahnwache an der Hand des toten Soldaten, der sie aus dem Grab empor strecktimage

Skulptur des aufgepflanzten Bajonettsimage

Erhaltene Ruinen am Museum

Häuser in Wolgograd

Hochzeiter haben einen Fototermin an den KriegsDenkmälernimage

Wir werden von SiegesSäule zu SiegesDenkmal zu SiegesMahnmal zu SiegesMuseum geschleust – im Hintergrund laufen die Vorbereitungen zum 9. Mai, dem SiegesJahrestag des „Großen vaterländischen Krieges“ – und suchen trotz der berechtigten Anklagen vergeblich nach Versöhnlichkeit und Zukunftsvision, nach einer Aufbereitung im Sinne all derer, die unverschuldet in diese unvorstellbar menschenverachtende Situation geraten sind. Aber vielleicht oder sogar ganz bestimmt haben wir die „russische Seele“ in der kurzen Zeit nicht gut genug kennengelernt, um uns darüber ein Urteil erlauben zu können. Wir sind mehr als froh, als wir zurück sind und in der Sonne am Auto sitzen können …!

Eine lange Strecke steht uns heute bevor, bereits um 6 Uhr sind wir auf der Straße. imageGlücklicherweise ist Sonntag, der Verkehr ist noch ruhig, aber an den Bushaltestellen stehen viele Menschen, die offensichtlich zur Arbeit fahren. Bepackt mit Taschen steigen sie in Busse und an den Eingängen verschiedener Fabriken mit rauchenden Schloten strömen sie wieder hinaus. Nach ungefähr 40 km Stadtdurchfahrt erreichen wir die M6, auf der wir über 400 km durch Steppe, dünenartige imageStaubfelder, Lochpiste und an einfachen Dörfern vorbei bis Astrachan bleiben. Direkt imageam WolgaUfer können wir vor einem Hotel übernachten, eine belebte Uferpromenade

vor uns macht’s noch interessanter. Kurzer Gang zum nächsten Kreml, dann hocken wir eine Weile auf einer Bank und schauen uns das echt bewegte Leben an, das uns sogar ein wenig an Santa Monica erinnert.

Das erstes Ziel heute ist die russische Grenze, kein Problem, nach korrektem Verfahren, imagealle Beteiligten verhalten sich sachlich und angemessen. Es folgt die spannende Überfahrt über die Wolga auf einer Schlepperfähre, dann weiter zur kasachischen Grenze, nette Zoller, weiterhin easy. Es gibt etliche Anlaufstationen, die Laufzettel, Pässe und Migrationspapiere sehen wollen. Die Zöllner kommen ins imageAuto, kontrollieren, erzählen (mit 2 echten englischen Vokabeln und 7 Handzeichen) mit uns und machen Fotos. Von sich und Hitten. Von Hitten und dem Anderen. Von Zöllner und mir. Einfach lustig und freundlich. Ab dann ändert sich die Welt für uns in eine noch größere Weite, aber mit Kühen, Schafen, Kamelen und Pferden – tausenden Pferden!  FullSizeRender 4 Auch die ‚Straßen’ sind anders, als die schlechten in Russland. Junge, bei Poolbillard imagesuchst du dir das Loch bewusst aus, hier findet dich das Loch. Und das daneben und davor und versteckt dahinter. Schöne Schei…! Immerhin fahren wir einen Schnitt von strammen 33 km/h! Am Ende bringt uns das Navi über eine Sandpiste und ca. 8 km ans imageZiel, das Kaspische Meer, wo wir mit der Nase im Sand und direkt am Wasser heute übernachten können.

‚Nase am’ Meer ist ein deutlicher Unterschied zu ‚Auto im’ Meer…! Was plätschert so leise imagefrüh morgens ums Auto? Es ist das Binnenmeer, das ja gar keinen Gezeiten unterliegen (??) kann. So schnell wie nie sind wir angezogen, ich springe ins Wasser (also nur mit den Füßen), um unsre bereits überspülte Trittstufe nicht verloren zu geben, und Hitten fährt uns langsam rückwärts raus. Die anderen werden auch wach, man watet barfuß oder mit Gummistiefeln – jedenfalls aufgeregt – hin und her. Nach zwei Stunden sind alle auf trockenem Boden, etliche müssen rausgezogen werden. Egal, eine skurrile Situation zu früher Stunde. Vorletztes Tanken in einem Dorf, in dem sich Autos und Kamele

problemlos die Straße teilen, dann machen wir uns auf die abenteuerliche Piste zur usbekischen Grenze. FullSizeRender 3Lange geht’s an Ölfeldern vorbei, die nach wie vor mit ihren bunten Pumpen fördern. Wer glaubt, schlechter können die Straßen nicht werden, der irrt gewaltig. Kanaldeckelgroße tiefe Löcher, Wellblechpiste, Gräben und Furchen, Sandwälle und Betonbrocken reihen sich aneinander. Manche sieht man vorher, manche nicht. Ansonsten ließe sich während der Tour bequem mixerlos Sahne schlagen, auch ohne Vanillezucker. Alles lässt sich entsprechend langsam und ohne FullSizeRender 5Achsbruch fahren, im Schnitt 22 km/h über 5 Stunden, was soll’s. Immer wieder finden wir kleine Salzseen, die als tolle Farbspritzer inmitten des riesigen Nichts auftauchen. Langsam nähern wir der kasachisch-usbekischen Grenze, ein aufwendiges Prozedere auf beiden Seiten und wir sind wiedermal froh, mithilfe von Kostya und Valery all die undurchsichtigen Grenzformalitäten bewältigen zu können. Ohne ihre Hilfe wäre es gruselig.image

können. Lecker Essen kann man sich mittelfrisch am Straßenrand aussuchen, kannste auch gut riechen…! Der PennPlatz in der Steppe ist windig und staubig, aber sauschön!image

Noch eine längere Etappe wartet auf uns, bevor wir eine ruhigere Phase vor uns haben.

Die Strecke ist rubbelig, aber deutlich weniger anstrengend als in den Tagen vorher, imageerfreulicherweise wird auch der Wind, der uns die letzten 3500 km heftig entgegen blies, weniger. Der Grenzübertritt nach Usbekistan dauert Stunden, wir sind drauf eingestellt. Der Unterschied von Russland zu Kasachstan war schon deutlich, noch mehr aber jetzt zu Usbekistan. Die Menschen sind noch offener und interessierter, farbenfroh und sauber und gut gekleidet, Kinder tragen Schuluniformen, typisch gekleideten Frauen sind stolz und lassen sich besonders gern fotografieren, sie nehmen sogar ihre Kopftücher dafür ab, kontrollieren ihre Kleidung gegenseitig und sind einfach stolz, wahrgenommen zu werden. image

Langsam spült’s uns durch die Dörfer, bis wir in Nukus unser Plätzchen auf einem Hotelparkplatz finden. Vorher müssen wir tanken, was ein echtes Problem darstellt. In image ganz Usbekistan gibt es keinen sauberen Diesel, er ist mit Gas verpanscht und sorgt für größere Motorschäden, was ohne Organisation von Valérie und Kostya schon wieder nicht zu regeln wäre. Der freundliche Tankmeister und sein Helfer dürfen natürlich nicht zu erkennen sein. Es ist früher Nachmittag und bei 31,5° lassen sich im Schatten gut die Füße hochlegen.

Den nächsten Tag verbringen wir in Ruhe, schauen uns die Stadt an mit Museum undimage

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anderen interessanten Bauwerken. Abends lädt Kostya ins Restaurant ein, wo wir mit allem Getöse seinen 50. Geburtstag verbringen.

Es holpert und schleudert und schlenzt uns bis Chiva, die erste Stadt der Seidenstraße. Da wir abends kaputt und müde sind und einen wunderbaren Platz an der alten Stadtmauer bekommen, lassen wir den Abend mit Sekt, französischem Rotwein und Häppchen anlässlich eines weiteren Geburtstags feierlich ausklingen.

Der großartige Dima, unser usbekische Sprach- und Kulturführer, leitet uns durch Chiva, eine der Städte an der Seidenstraße. Als Handels- und Waren- und Sklavenumschlagplatz, allerdings auch als Verteiler von Krankheiten und Bildung bekannt, verdankt China seinen Ruf und wurde Sitz von Herrschern und Besitztümern. Die Bilder zeigen’s viel Besser und eindrucksvoller!

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Es ist eine völlig neue Erfahrung zu realisieren, dass die Menschen sich freuen, fotografiert zu werden, oft sie halten uns an und bitten darum, ein Foto von sich und uns machen zu dürfen. Dann stehen sie zusammen, sehen sich das Bild an und bedanken sich hundertfach, indem sie ihre rechte Hand auf die Brust legen und sich imageandeutungsweise verbeugen. Ein museumsähnliches Städtchen mit ganz normaler Infrastruktur, in dem auch Usbeken ganz normal leben, umgeben von einer dicken Stadtmauer, mit spielenden Kindern, Frisör und allem, was man braucht.image

 

 

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Xing, unsere immer lachende BegleitChinesin, bringt mir gnadenlos chinesisch bei …

Klapper und holper und irgendwie kommen wir nach 9 Stunden für schlappe 450 km

und einer Reifenpanne bei Detlef, die ein anschließendes Abendessen zur Folge haben wird :-)), in Bukhara, einer weiteren Seidenstraßenstadt am Hotel an. 32°, alles gut.

3 Kommentare zu “C-haotisch sind die Straßen

  1. Gilchingstan, 9.5.17. Liebe Forschungsreisende! Jetzt habt ihr also wieder den richtigen Blog-Anschluß gefunden. Vielen,vielen Dank für den wieder hochinteressanten illustrierten Reisebericht.Wir fühlen mit euch. Diese völlig neue unbekannte Umgebung allein ist ja schon spannend genug. Dazu die Ungewißheit was die nächsten Tage an Überraschungen noch bieten werden, steigert die Spannung noch weiter. Was ihr dabei an Lebenserfahrung sammelt könnt ihr nirgendwo für Geld kaufen. Tolles Gefühl. Lernt ihr auch schon eifrig chinesisch? Wie geht es mit der Schrift? Sicherheitshalber bitten wir darum, die zukünftigen Reiseberichte weiterhin in abendländischen Schriftzeichen abzufassen.Weiterhin alle guten Wünsche bis zum nächsten mal. Eure
    Heinz und Claudia.

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  2. Hello dear friends…we have free wifi so catching up on your blog. Using Google Translate to read it. Wow, this is and adventure to end all adventures! So pleased you have a Mercedes 4WD to get through those roads. The driving must be very tiring for Hitten. Loving all the photos. How is your back Conny, are you going to say „How is the Weather“??? Ian’s is not quite as good as it was, I think we need to get out on the bikes. Crossing into France soon. XX

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  3. Hallo ihr Lieben, ich bin auch endlich wieder „on“…. ungewaschenes Frühstück um 10, aber Hauptsache das Baby ist satt und zufrieden 😉
    Und bei diesem Frühstück darf ich nun mit euch Abendteuer in Russland, Kasachstan und Usbekistan erleben. Toll, und viel besser als Hartz4-TV 😄.
    Jetzt geht es wieder mit d…
    Weiterhin gute Fahrt und tolle Erlebnisse 😘

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